Name: Wlada S
Gender: female
Country of residence: Switzerland
Writing language: German
Read story below!
Hi zusammen, mein Name ist Wlada, ich bin 25 Jahre alt und bin gerade vor einem Monat in die Schweiz nach Basel gezogen. Aber lasst mich etwas zurückspulen, wie ich überhaupt hergekommen bin?
Ich bin in einer einfachen Familie der Ukraine Charkiw an einem sonnigen Tag im Frühling geboren. Meine Mutter jüdisch, mein Vater ukrainisch. Meine Familien leben nicht wirklich jüdisch, da Judentum hier nicht wirklich praktiziert wird.
Meine Mutter entscheidet sich an einem kalten Novembertag, dass sie unser Leben um 180 Grad ändern möchte. Sie packt unsere Sachen, steigt mit mir in ein Auto und wir begeben uns auf eine Reise, die unser Leben für immer verändert.
Nach 3 Tagen kommen wir in einem Dorf in Deutschland in Nordrhein-Westfalen an. Alles ist anders, Menschen sprechen eine andere Sprache, die Mentalität ist für uns ein Kulturschock.
Wir leben uns in einem Flüchtlingsheim ein, lernen neue Menschen kennen und versuchen, das neue Land zu verstehen. Mit 6 Jahren ziehen wir nach Düsseldorf, ich werde eingeschult in eine Schule, die meinen Weg, auf dem ich mich gerade befinde, vorformt. Ich gehe auf eine jüdische Schule „Yitzhak Rabin Schule“ im Herzen Düsseldorfs.
Ich lerne, dass ich jüdisch bin, ich lerne Hebräisch, Traditionen, Feiertage, ich lerne Menschen kennen, die mir zeigen, was meine Religion bedeutet. Das sind die buntesten Jahre meiner Kindheit. Mit 10 gehe ich auf ein deutsches Gymnasium und verliere den Kontakt mit meinen Freunden und Religion. Ich lerne, dass es auch andere Religionen gibt, dass Judentum nur ein Teil der Welt ist. So lebe ich bis 17 Jahren, im Ungewissen, welche Identität ich denn eigentlich habe.
Eines Tages, nachdem ich von der Schule komme, komplett müde und kaputt vom Tag, verkündet meine Mutter mir stolz:
Mom: „Ich habe dich angemeldet zu einem Ferienlager.“
Me: „Nein… Mom, ich bin 17, was denn für ein Ferienlager….“
Aber sie lässt nicht mit sich diskutieren…
Und so steige ich an einem sonnigen Samstag im Jahr 2017 in einen Zug, der mich zum Frankfurter Flughafen bringt. Dort wartet eine Gruppe mit anderen Kindern bereits auf uns. Ich bin genervt, nervös und einfach nur wütend, dass ich das durchmachen muss…
Wir steigen in den Flieger Richtung Bologna und kommen im sonnigen Italien an, wo nach einer 1-stündigen Busfahrt unser Ziel endlich in „Gatteo a Mare“ erreicht ist. Ich bin offiziell angekommen auf meinem 1. Machane.
Ehrlich? Es war ein Schock, ich war verwirrt und weiß nicht, wieso ich überhaupt nicht protestiert habe… ich will hier doch gar nicht sein!
Aber die Tage vergehen, ich lerne Freunde kennen, ich erinnere mich aus der Grundschule an Bräuche, Gebete, Traditionen und merke, ich kenne das, ich trage das im Herzen. Es ist ein Teil von mir.
Dieser Sommer verändert mich.
Ich trete wieder in Kontakt mit meinen alten Freunden aus der Grundschule und lerne das jüdische Jugendzentrum in Düsseldorf kennen, bei dem ich relativ schnell anfange, als Madricha zu arbeiten. Ich habe meine Menschen gefunden. Ich habe meine Zugehörigkeit gefunden. In meinem ganzen Leben habe ich mich noch nie so sicher und so wohl gefühlt wie mit diesen Menschen um mich herum & das dank meiner Mutter, die stur darauf beharrt, mich aufs Machane zu schicken.
Ich lerne Jewrovision kennen (ein riesiges Event in Deutschland, bei dem Jugendzentren aus verschiedenen Städten gegeneinander im Gesang und Performance auftreten), ein Event, das die jüdische Jugend in Deutschland vereint. Und da auch meinen jetzigen Mann (er ist der Moderator der Show und ich habe mich direkt verliebt!)
Wir treffen uns bei einem Geburtstag meines Freundes aus der Grundschule und unser gemeinsamer Weg beginnt 2018.
Ich beende meine Schule und ziehe für mein Modedesign-Studium nach Berlin, ich bekomme durch meinen Freund mit, dass es auch ein Jugendzentrum in Berlin gibt, doch die Pandemie trifft uns hart und das Jugendzentrum bleibt geschlossen.
Kurz vor Ende der Pandemie rutsche ich wieder zufällig in die jüdische Community in Berlin rein und merke, dass ich das brauche!
Ich baue gemeinsam mit anderen Madrichim wieder ein Safe Space im Jugendzentrum auf. Ich bin jeden Tag hier, lerne Freunde kennen, die zur Familie werden, gestalte das jüdische Leben für Kinder mit.
Ich fahre auf mein erstes Machane als Madricha im Sommer 2022, arbeite das erste Mal als Modedesignerin für den Auftritt unserer Kinder bei der Jewrovision und mein jüdisches Leben fängt an zu blühen.
Doch das ist nur eine Ehrenamtstätigkeit, die ich mit einer Leichtigkeit eines Vollzeitjobs nehme.
Parallel studiere ich weiter, arbeite in Fotostudios, gestalte meine eigenen Kollektionen für die About You Fashion Week in Berlin, koordiniere die Fashion Week backstage und arbeite als Hostess bei jüdischen Events.
Im Gepäck meine jüdische Identität und meine Passion für Ehrenamt.
Ich bekomme einen neuen Job 2023 in Hamburg als Stylistin bei About You, ich packe meine Sachen und begebe mich auf ein neues Abenteuer im Norden Deutschlands.
Auch hier rutsche ich in die jüdische Gemeinde Hamburgs rein. Auch hier arbeite ich leidenschaftlich ehrenamtlich mit Kindern und Jugendlichen, auch hier fahre ich auf Ferienlager.
Meine Leidenschaft hat sich nicht geändert, nur mein Standort ist neu.
Nach meinem Studium habe ich eine Existenzkrise, ich möchte nicht mehr in der Modebranche arbeiten, ich weiß nicht, was ich möchte…
Und so entdecke ich mein Interesse in Pädagogik und fange an, in der jüdischen Kita im Joseph Carlebach Bildungshaus zu arbeiten.
Ich lerne, mit einem anderen Alter zu arbeiten, ich zweifle jeden Tag an mir und frage mich, ob das der richtige Weg für mich ist. Doch wenn ich die Reaktion der Kinder sehe, merke ich, das ist mein Weg. Das bin ich. Das liebe ich.
Ich möchte mehr lernen, mein Wissen vertiefen und fange 2024 mein neues Studium an der Hochschule für Jüdische Studien in Heidelberg an, bei dem ich alle 2 Monate für 1 Woche Seminare in Präsenz habe.
Ich heirate im September 2025 jüdisch und um mich herum, mein wundervoller Mann, meine liebsten Freunde, die meine Familie geworden sind, die mich auf meinem Weg begleiten, die ein Teil meiner jüdischen Identität sind.
Nach diesem großen Schritt bewerbe ich mich in Basel (Schweiz) für eine neue Position als Jugendleitung, bei der ich mehr als bereit bin, Verantwortung für die jüdische Jugend zu übernehmen. Meine Ideen und Visionen ins Leben zu rufen und die Mitgestalterin der jüdischen Jugend in der Schweiz zu sein.
Und so bin ich hierhergekommen. Mein Weg ist lang, mein Weg ist nicht immer einfach, doch das motiviert und bestätigt mich, immer weiterzumachen und niemals aufzugeben, egal wie challenging es sein kann.
Hi everyone, my name is Wlada, I’m 25 years old, and I just moved to Basel, Switzerland a month ago. But let me rewind a bit and tell you how I even get here.
I am born into a simple family in Kharkiv, Ukraine, on a sunny spring day. My mother is Jewish, my father is Ukrainian. My family doesn’t really live Jewishly, as Judaism isn’t actively practiced here.
One cold November day, my mother decides she wants to change our lives 180 degrees. She packs our things, gets into a car with me, and we embark on a journey that changes our lives forever.
After three days, we arrive in a village in Germany, in North Rhine-Westphalia. Everything is different, people speak a different language, and the mentality is a complete culture shock for us.
We settle into a refugee shelter, meet new people, and try to understand this new country. When I am six, we move to Düsseldorf, and I am enrolled in a school that shapes the path I am on today. I attend a Jewish school, “Yitzhak Rabin Schule,” in the heart of Düsseldorf.
I learn that I am Jewish, I learn Hebrew, traditions, holidays, and I meet people who show me what my religion means. These are the most colorful years of my childhood. At ten, I go to a German high school and lose contact with my friends and religion. I learn that there are other religions, that Judaism is only a part of the world. I live like this until I am seventeen, unsure of my own identity.
One cold November day, my mother decides she wants to change our lives 180 degrees. She packs our things, gets into a car with me, and we embark on a journey that changes our lives forever.
One day, after I come home from school, completely exhausted and worn out, my mother proudly announces:
Mom: “I sign you up for a summer camp.”
Me: “No… Mom, I’m 17, what kind of summer camp…?”
But she doesn’t open up to discussion.
So, on a sunny Saturday in 2017, I get on a train that takes me to Frankfurt Airport. A group of other kids is already waiting. I am annoyed, nervous, and just plain angry that I have to go through this.
We board a plane heading to Bologna and arrive in sunny Italy, and after a one-hour bus ride, we finally reach our destination in Gatteo a Mare. I officially arrive at my first Machane.
Honestly? It is a shock. I am confused and don’t understand why I don’t protest… I don’t even want to be here!
But the days pass, I make friends, remember customs, prayers, and traditions from elementary school, and I realize I know them. I carry them in my heart. They are a part of me.
This summer changes me.

I reconnect with my old friends from elementary school and discover the Jewish youth center in Düsseldorf, where I quickly start working as a Madricha. I find my people. I find my belonging. In my whole life, I have never felt so safe and so comfortable as I do with these people—and all thanks to my mother, who stubbornly insists I go to Machane.
I discover Jewrovision (a huge event in Germany, where youth centers from different cities compete in singing and performance), an event that unites Jewish youth in Germany. And that’s also where I meet my now-husband (he is the host of the show, and I fall for him instantly!).
We meet at a birthday party of one of my elementary school friends, and our journey together begins in 2018.
I finish school and move to Berlin for my fashion design studies. Through my boyfriend, I find out there is also a Jewish youth center in Berlin, but the pandemic hits hard and the center stays closed.
Just before the end of the pandemic, I stumble back into the Jewish community in Berlin and realize that I need this!
Together with other Madrichim, I help rebuild a safe space at the youth center. I spend every day here, meet friends who become like family, and help shape Jewish life for children.
In the summer of 2022, I go to my first Machane as a Madricha, work for the first time as a fashion designer for the performance of our kids at Jewrovision, and my Jewish life starts to flourish.
But this is only volunteer work, which I handle with the ease of a full-time job.
At the same time, I continue studying, work in photo studios, create my own collections for the About You Fashion Week in Berlin, coordinate the Fashion Week backstage, and work as a hostess at Jewish events.
In my luggage: my Jewish identity and my passion for volunteering.
Together with other Madrichim, I help rebuild a safe space at the youth center. I spend every day here, meet friends who become like family, and help shape Jewish life for children.
In 2023, I get a new job in Hamburg as a stylist at About You, pack my things, and embark on a new adventure in northern Germany.
Here too, I fall into the Jewish community in Hamburg. Here too, I work passionately as a volunteer with children and youth, here too, I go to summer camps.
My passion hasn’t changed; only my location has.
After my studies, I have an existential crisis. I don’t want to work in the fashion industry anymore, and I don’t know what I want…
That’s when I discover my interest in pedagogy and start working at the Jewish daycare in the Joseph Carlebach Bildungshaus.
I learn to work with a different age group, doubt myself every day, and wonder if this is the right path for me. But when I see the children’s reactions, I realize this is my path. This is me. This is what I love.
I want to learn more, deepen my knowledge, and in 2024, I start my new studies at the University for Jewish Studies in Heidelberg, attending one-week seminars every two months in person.
My passion hasn’t changed; only my location has.

In September 2025, I marry Jewishly, surrounded by my wonderful husband, my dearest friends who have become my family, accompanying me on my journey, and a part of my Jewish identity.
After this major step, I apply in Basel, Switzerland, for a new position as youth director, where I am more than ready to take responsibility for Jewish youth, bring my ideas and visions to life, and become a co-creator of Jewish youth in Switzerland.
And that’s how I got here. My path is long, my path isn’t always easy, but that motivates me and confirms my drive to keep going and never give up, no matter how challenging it may be.

стать следующей!